Der Ernst des Lebens darf auch einmal lachen

Auch in herausfordernden Zeiten darf eines nicht fehlen: das Lachen. Business-Kabarettist Bernhard Baumgartner zeigte im Bezirk Liezen, wie humorvoll sich der Ernst des Wirtschaftslebens betrachten lässt.

Es gibt Zeiten, in denen einem das Lachen nicht unbedingt zuerst einfällt. Unternehmerinnen und Unternehmer wissen das vermutlich besser als viele andere. Zwischen steigenden Kosten, Personalfragen, Bürokratie, Investitionsentscheidungen, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Förderlogik und der nächsten unvermeidlichen KI-Diskussion bleibt im Alltag oft wenig Raum für Leichtigkeit. Gerade deshalb war der Abend mit Bernhard Baumgartner in Öblarn mehr als nur ein Kabarettauftritt. Er war eine Erinnerung daran, dass Humor kein Gegensatz zu Ernsthaftigkeit ist, sondern manchmal ihre gesündeste Begleiterscheinung.

Auf Einladung des Wirtschaftsbundes Bezirk Liezen gastierte der Business-Kabarettist bereits zum zweiten Mal in Öblarn. Mit seinem aktuellen Programm „Der Ernst des Lebens – und ich“ führte er das Publikum in jenen kabarettistischen Kosmos, in dem die Wirtschaftswelt auf ihre eigenen Floskeln und Absurditäten trifft. In der Rolle als „Prof. DDr.“ Bernhard Baumgartner, WMBA – den „World Master of Business Administrations“ präsentiert er sein fiktives Unternehmen „Baumgartner Reinconsulting“ und führt das Publikum durch PowerPoint-Logiken, eigenwillige Thesen, Beraterfloskeln und wirtschaftliche Moden.

Von Förderanträgen und Konzepten

Baumgartner zerlegte die Sprache der Wirtschaft mit scharfem Blick und feinem Gespür. Dass dabei gelacht wurde, war nur die eine Seite des Abends. Die andere war das Wiedererkennen. Denn vieles, was auf der Bühne überspitzt daherkam, kennt man aus Sitzungen, Konzeptpapieren, Förderanträgen und Präsentationen, in denen Begriffe wie Transformation, Nachhaltigkeit oder Digitalisierung mit großer Selbstverständlichkeit verwendet werden.

Besonders treffsicher wurde Baumgartner dort, wo er den modernen Wirtschaftsalltag sprachlich seziert. Seine These, im Geschäftsleben am besten nur Englisch zu sprechen, „egal in welchem Beruf, weil Menschen nicht so viel fragen und vor allem nachdenken, bevor sie sprechen“, traf im Saal hörbar einen Nerv.

Mann auf der Bühne. Davor Publikum, das Luftballons in den Händen hält.
Bernhard Baumgartner zeigt eine Methode, um den „Ernst des Lebens“ zu vertreiben. Foto: Tritscher

Wenn der Titel wichtiger wird als der Inhalt

Mit feinem Gespür nahm er jene Menschen aufs Korn, die ihre akademischen Titel in jeder Situation ausführlich anführen, um im nächsten Satz zu betonen, dass ihnen Titel selbstverständlich „gar nicht wichtig“ seien. Auch die Beratungsbranche bekam ihr Fett ab: jene Welt, in der auf jede Frage eine Antwort existiert; manchmal sogar, bevor überhaupt klar ist, worin das Problem besteht.

Dass dieser Humor funktionierte, lag daran, dass er nicht von außen auf die Wirtschaft zeigte, sondern mitten aus ihr heraus. Baumgartner kennt die Mechanismen, die er karikiert. Er macht sich nicht über Unternehmertum lustig, sondern über jene Rituale, die sich rund um das Unternehmertum gebildet haben: Titel, Worthülsen, PowerPoint-Folien, Nachhaltigkeitsvokabular, Förderfähigkeit und der beinahe religiöse Glaube daran, dass jede Herausforderung durch ein neues Modell, eine neue Methode oder zumindest eine neue Abkürzung lösbar wird.

Große Begriffe, kleine Umsetzungsschritte

Ein zentrales Thema des Abends war die Gegenwart der Unternehmenswelt: Umwelt, Nachhaltigkeit, EU-Förderungen, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Baumgartner spielte virtuos mit dem allgegenwärtigen Begriff Nachhaltigkeit, der längst zum Pflichtvokabular vieler Präsentationen, Strategiepapiere und Förderanträge geworden ist. E

Besonders pointiert war seine Typologie der Digitalisierung. Drei Gruppen machte Baumgartner aus: jene mit „150 Prozent Informationsstand und null Prozent Umsetzung“, jene, die nach der K.I.S.S.-Methode handeln – also „Kopf in den Sand stecken“ – und schließlich die sogenannten „Gamechanger-Changer“, die Veränderung nicht nur ankündigen, sondern gleich auch die Veränderung der Veränderung betreiben.

Wir als Wirtschaftsbund Ennstal-Salzkammergut wollen mit solchen Veranstaltungen bewusst auch Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Lachen schaffen. Egon Hierzegger

Vom Spar-Reggae und Grantbook

Zwei Männer auf einer Bühne
Egon Hierzegger, WB-Bezirksgruppenobmann Ennstal/Salzkammergut und Kabarettist Bernhard Baumgartner. Foto: Tritscher

„Gerade in herausfordernden Zeiten tut es gut, den Ernst des Wirtschaftslebens auch einmal mit Humor zu betrachten. Bernhard Baumgartner ist das hervorragend gelungen – deshalb haben wir diese Veranstaltung nun bereits zum zweiten Mal organisiert“, brachte es Egon Hierzegger vom Wirtschaftsbund den Zugang des Abends auf den Punkt. Genau darin lag die Qualität der Veranstaltung. Sie bot nicht bloß Ablenkung vom wirtschaftlichen Alltag, sondern einen Perspektivenwechsel auf ihn.

Dazu passte auch, dass Baumgartner musikalische Elemente wie den „Spar-Reggae“ in sein Programm einbaute. Selbst der Eurovision Song Contest fand an diesem Abend seinen Platz. Für besondere Lacher sorgten Baumgartners Vorschläge für österreichische Social-Media-Plattformen: „Grantbook“ und „Finstagram“.

So wurde der Abend in Öblarn zu einer humorvollen Bestandsaufnahme des modernen Wirtschaftslebens. Zwischen Nachhaltigkeit und Nervosität, Digitalisierung und Durchhaltevermögen, KI und Kabarett zeigte Bernhard Baumgartner, dass Lachen im Unternehmertum kein Luxus ist. Es ist manchmal genau das, was den Blick auf das Wesentliche wieder freilegt. „Wir als Wirtschaftsbund Ennstal-Salzkammergut wollen mit solchen Veranstaltungen bewusst auch Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Lachen schaffen“, erklärt der Wirtschaftsbund-Obmann aus dem Bezirk Liezen.

  • Bernhard Baumgartner

www.bernhardbaumgartner.com

 

  • Wirtschaftsbund Ennstal/Salzkammergut

www.wirtschaftsbund.st/ennstal-salzkammergut

 

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Tina Tritscher
Tina Tritscher
Autorin | Steiermark
Ressorts: Life | Style, Schaffens | Kraft, Hart | Herzlich
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