Das stille Geschäft der Camping-Zukunft

Wer mit dem Camper unterwegs ist, kennt das Problem: Ist die Chemietoilette voll, bedeutet die Suche nach einer Entsorgungsstation oft zur Unterbrechung der Reiseroute. Mit der wachsenden Beliebtheit von Vanlife und individuellem Campingtourismus steigt daher die Nachfrage nach flexiblen und unkomplizierten Sanitärlösungen. Genau hier setzt das Kärntner Start-up LooBuddy an. Gründer René Gasser entwickelte eine Alternative zur klassischen Chemiekassette, die bestehende Campingtoiletten ohne Umbau in ein beutelbasiertes, chemiefreies System verwandelt. Das Ziel: mehr Unabhängigkeit, weniger Entsorgungsaufwand und ein deutlich flexibleres Reiseerlebnis für Camper.

Not macht erfinderisch

Was heute eine patentierte Innovation gilt, begann im Frühjahr 2022 mit einem persönlichen Ärgernis: Nach einem feuchtfröhlichen Abend stand Gasser mit seinem Camper autark direkt in einem Wohngebiet – mit voller Chemietoilette. „Rausgehen war keine Option“, erinnert er sich. „Ich habe mich damals ziemlich geärgert und angefangen, nach Alternativen zu suchen. Es gab aber nichts wirklich Passendes, denn ich wollte meine bestehende Campingtoilette weder umbauen noch ersetzen. Also war klar: Ich bastle mir selbst eine Lösung.“ Dass das der Schlüsselmoment zum eigenen Start-up war, daran dachte der begeisterte Camper damals nicht – noch nicht. Gasser tüftelte also an einer simplen Toiletten-Lösung, die ihm und seiner Familie das Campen erleichtern könnte: Aus einem improvisierten Prototyp wurde Schritt für Schritt ein marktfähiges Produkt – und schließlich die Grundlage für die Gründung von LooBuddy.

Gründung als Wendepunkt

Mit der offiziellen Gründung von LooBuddy im Juni 2024 wurde aus der Produktidee schließlich ein Unternehmen. Der Schritt in die Selbstständigkeit erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem für René Gasser vieles gleichzeitig in Bewegung geriet. Neben der Weiterentwicklung seines Produkts verlor der Kärntner auch seinen langjährigen Arbeitsplatz – eine Situation, die sich letztlich als entscheidender Impuls für die Unternehmensgründung erwies. Und obwohl Gasser heute weiß, dass das Produkt damals noch nicht ganz so ausgereift war, wie gedacht, sieht er diesen Moment als entscheidenden Wendepunkt des Start-ups: „Ich war damals überzeugt, dass LooBuddy serienreif ist – auch wenn sich später gezeigt hat, dass noch nicht alles perfekt ausgeklügelt war. Aber ich habe mir gedacht: Jetzt oder nie. Wenn ich es nicht probiere, werde ich mich irgendwann ärgern.“

„Heute weiß ich, dass mich alle Herausforderungen geprägt und mich in der Produktentwicklung auf den richtigen Weg geführt haben.“ René Gasser 

Im Oktober 2024 stand dann fest, dass die Müllbeuteltoilette Anklang findet – nämlich als René Gasser und Oliver Kanduth (seit Mai 2024 als Co-Founder mit an Bord) LooBuddy zum ersten Mal auf einer Messe vorstellten. „Dort wurde uns definitiv klar, dass viele Camper nach einer unkomplizierten und autarken WC-Lösung suchen. Das Interesse und das Feedback waren überwältigend“, so Gasser.

Produktentwicklung und Feinschliff

Der Weg zur marktreifen Lösung verlief jedoch nicht geradlinig. Wie bei vielen Produktinnovationen zeigte sich erst im Praxiseinsatz, an welchen Stellen Optimierungsbedarf bestand. Ein wichtiger Entwicklungsschritt bei LooBuddy war die Erkenntnis, dass die ersten Versionen bislang keinen zusätzlichen Sicht- und Geruchsverschluss hatten und deshalb nur eingeschränkt alltagstauglich waren. Bis die Lösung wirklich zuverlässig funktionierte, dauerte es allerdings noch einige Monate. Rückblickend sieht der Gründer gerade die schwierigen Phasen als wertvolle Erfahrungen, die das Produkt entscheidend weitergebracht haben. „Heute weiß ich, dass mich alle Herausforderungen geprägt haben und mich in der Produktentwicklung auf den richtigen Weg geführt haben.“ Besonders positiv hebt er dabei auch Kärnten als Standort für Start-ups und Produktentwicklung hervor – unter anderem durch die Unterstützung von WKO, build! und dem KWF. „Ich bin auf keinerlei Hürden gestoßen, die mich ernsthaft aufgehalten haben. Ganz im Gegenteil.“

Die autarke Campingtoilette LooBuddy
LooBuddy ermöglicht hygienisches und autarkes Campen ohne Chemiekassette.
Foto: LooBuddy

Wer ist LooBuddy?

Das System verwandelt bestehende Chemietoiletten innerhalb weniger Sekunden in eine chemiefreie, beutelbasierte Lösung –  ohne Umbau, Werkzeug oder den Austausch der vorhandenen Toilette. Damit schließt das Kärntner Start-up eine Lücke im Campingmarkt zwischen klassischen Chemietoiletten und deutlich teureren Trockentrenntoiletten, die meist einen kompletten Umbau des Fahrzeugs erfordern. Die autarke Müllbeuteltoilette kommt zum Einsatz, wenn Entsorgungsstationen für Chemie-Toiletten fehlen – also beim autarken Stehen, außerhalb der Saison oder in Ländern mit wenig Infrastruktur. „Die Hinterlassenschaften werden mit einem Superabsorber und einem handelsüblichen Restmüllbeutel zu einem geruchlosen Gel gebunden. Der volle Beutel kann dann hygienisch und ohne Kontakt oder Sicht im Restmüll entsorgt werden – ähnlich wie Windeln oder Hundekotbeutel“, erklärt Gasser. Zusätzlich setzt das LooBuddy-Team bewusst auf handelsübliche Verbrauchsmaterialien, damit jeder selbst entscheiden kann, wo er nachkauft. Das System ist weltweit einzigartig und wurde mittlerweile patentiert.

LooBuddy ist eine patentierte Lösung, die bestehende Chemietoiletten ohne Umbau in ein beutelbasiertes, chemiefreies System verwandelt.“

Das Geschäft: Eine Lösung für alle

Aktuell ist LooBuddy vor allem in Österreich und Deutschland erhältlich, weitere Länder sollen ab 2027 folgen. Langfristig möchte sich das Unternehmen international als feste Größe im Campingbereich etablieren und Campern eine unkomplizierte, hygienische Lösung für autarkes Reisen bieten. „Unser Ziel ist es, die Produktion so weit auszubauen, dass wir die Nachfrage problemlos bedienen können und in weiteren Ländern verfügbar sind. Gleichzeitig sehen wir auch Potenzial außerhalb vom klassischen Camping – überall dort, wo flexible und hygienische Lösungen gefragt sind“, so Gasser abschließend.

Fotos: LooBuddy, Johannes Puch

Manuela Mark
Manuela Mark
Autorin | Kärnten
Ressorts: Start |Up, Life | Style, Leben |Arbeiten
mark@mut-magazin.at

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