Clever investieren in ETFs

„Ich investiere in einen ETF und zwar in den MSCI World. Das ist eh das Beste…“ Aussagen wie diese haben in den letzten Monaten zugenommen. Doch was steckt dahinter? In diesem Gastbeitrag verrät Finanzexperte Herwig Miklin, wie man sich dem Thema ETFs nähern kann.

Was ist ein ETF überhaupt?

Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Fonds, der verschiedene Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe bündelt. Anleger können dadurch mit einem einzigen Produkt in einen ganzen Markt, eine spezielle Branche oder in verschiedene Märkte investieren. In der Regel handelt es sich bei ETFs um passive Investmentfonds. Das bedeutet, dass hier keine Betreuung durch Fondsmanager stattfindet, sondern es handelt sich um sogenannte Indexfonds, die einen Index nachbilden. Diese erlauben eine breite Streuung und stellen eine erschwingliche Alternative zum Kauf von Einzeltiteln dar.

Diversifikation als Grundprinzip

Um ein optimales ETF-Portfolio zusammenzustellen, ist es grundsätzlich wichtig, dessen Diversifikation im Auge zu behalten. Es gilt in verschiedene Regionen, Sektoren und Anlageklassen zu investieren. Dazu ist einerseits zu betrachten, ob und in welchem Verhältnis in Aktien, Rohstoffe, Anleihen, Edelmetalle, Immobilien oder Cashtitel veranlagt werden soll. Denn je mehr stark schwankende Positionen in einem Portfolio enthalten sind, desto höher können Wertsteigerung oder Wertverlust in weiterer Folge sein. Grundsätzlich ist der Begriff: „Risiko“ bezogen auf Investments in unserem Sprachgebrauch noch immer eher negativ besetzt. Um jedoch die Ertragspotentiale als Perspektiven zu erkennen, sollte das Risiko als Element der Veranlagung als Chance verstanden werden.

Regionale und thematische Schwerpunkte setzen

Neben der Einteilung in verschiedene Anlageklassen ist weiters zu überlegen, welche Regionen sich als potentielle Zukunftsregionen anbieten. Ist der künftig wertvollere Wirtschaftsraum Europa, Amerika, Asien, Afrika oder der Ferne Osten – oder vielleicht auch alle diese Regionen?

Welche sind die Branchen, in die sich eine Veranlagung künftig lohnen wird? Sind es nachhaltige Unternehmen, sind ethische Überlegungen für den Anleger ein wichtiges Element? Soll in Technologiewerte, Demografie oder in gestandene Unternehmen mit langer Tradition investiert werden? Spätestens hier wird der ETF-Einsteiger wohl ohne einen Gesprächspartner, der die eine oder andere Frage kommentieren kann, wohl eine diffuse Unsicherheit verspüren, wenn es um die Investition des Betriebsvermögens oder von bereits versteuertem Kapital geht.

Ohne Beratung wird es schwierig

Die Erstellung eines konkreten Portfolios hängt von den persönlichen Anlagezielen und der Risikobereitschaft des Anlegers ab. Der Gesetzgeber verlangt, dass eine Einschätzung der Risikopotentiale eines Investors nach seinem bisherigen Kenntnis-, und Erfahrungsstand, seinen Vermögenswerten, seinem Einkommen sowie der seiner Ausbildung anzufertigen ist. Daher ist ein Gespräch, in dem all diese Punkte erörtert werden wichtig, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Modern Portfolio Theory als Werkzeug

Eine technische Methode zur Optimierung eines Depots ist die sogenannte Portfoliotheorie oder auch Modern Portfolio Theory (MPT). Diese zielt darauf ab, ein Portfolio so zu gestalten, dass für ein definiertes Risiko die beabsichtigte Rendite maximiert wird, oder umgekehrt; für eine angestrebte Rendite das Risiko bestmöglich minimiert wird. Dies wird durch die Auswahl und die Gewichtung von unterschiedlichen Anlageklassen erreicht, die sich im Idealfall bei stressigen Börsezeiten unterschiedlich verhalten; dadurch wird das Gesamtrisiko gestreut und vermindert.

Rebalancing und Gewinnmitnahmen

Soweit einige Grundzüge zur grundsätzlichen Strukturierung eines Portfolios. Was passiert aber, wenn ein sich ETF besonders positiv entwickelt? Durch eine sogenannte Gewinnmitnahme werden Portfoliopositionen verkauft um erzielte Gewinne wieder in die beabsichtigte Ausgangsstruktur zurückzusetzen. Auch ein sogenanntes Rebalancing, also das regelmäßige und strukturierte Anpassen des Portfolios nach einer bestimmten Periode, hält die gewünschte Gewichtung sowie die Weiterentwicklung der Veranlagungen aufrecht.

Kostenbewusst investieren

Im Vergleich zu traditionellen Fonds sind ETFs oft flexibler und kostengünstiger. Das ist wichtig, denn niedrige Gebühren können langfristig die Rendite steigern. Dazu gibt es beispielsweise institutionelle Tranchen von Wertpapieren. Das sind Produkte, die eigentlich für große Investoren gebaut werden und mit besonders günstigen Konditionen unterlegt sind. Unter bestimmten Voraussetzungen können Anleger auch im kleineren unternehmerischen sowie privaten Bereich profitieren.

Investitionsbedingter Gewinnfreibetrag für Unternehmen

Für diesen Veranlagungsbereich können zwar ETFs nicht verwendet werden, jedoch ist bei strategischer Vorgehensweise eine entsprechende Investition nach dem Ende der steuerlichen Bindungsfrist gut möglich. Mit dem Gewinnfreibetrag besteht die Möglichkeit, Teile des Gewinnes des Betriebes, maximal 46.400 EUR, steuerfrei zu lassen. Er setzt sich aus einem Grundfreibetrag für Gewinne bis 33.000 EUR (30.000 EUR bis 2023) und darüber hinaus einem investitionsbedingten Gewinnfreibetrag zusammen. Übersteigt der Jahresgewinn 33.000 EUR kann durch Veranlagungen in genau definierte Wertpapiere ein investitionsbedingter Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden. Maximal 13% des Gewinnes, der den Betrag von 33.000 EUR (Grundfreibetrag) übersteigt, können steuerfrei belassen werden. Mit dieser jährlichen, steuerlich interessanten Investition steht Ihnen ein wertvoller Puzzlestein für den Vermögensaufbau zur Verfügung. Sprechen Sie mit einem Spezialisten über die Möglichkeiten und Perspektiven, die sich daraus für Sie ergeben können.

Herwig Miklin ist seit rund 30 Jahren gewerblicher Vermögensberater in Klagenfurt und Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister in Kärnten.

M 0676884001176

E herwig.miklin@swisslife-select.at

M.U.T. auf Youtube

M.U.T.letter

Wissen, was die Wirtschaft bewegt.

Das könnte Sie auch interessieren