Buchpreise im Keller

Heyn, das Flaggschiff des Kärntner Buchhandels, trotzt den Stürmen einer Branche in der Krise. Am Steuer: Helmut Zechner, leidenschaftlicher Leser und Ex-Drummer.

Dass der lange schlaksige Typ im alternativen Outfit mit den wild aufstehenden Haaren ein Buchhändler ist, darauf würde man aufs Erste wohl nicht tippen. Da nimmt man ihm schon eher den Schlagzeuger ab, der er einmal war. Und eine gewisse Wehmut ist ihm schon noch anzumerken, wenn er das Hochgefühl schildert, in der steirischen Alternative-Band „Sans Secours“ vor 45.000 Besuchern beim Kölner „Bizarre Festival“ aufzutreten. Aber das ist lange her. Damit hat der 56jährige abgeschlossen. Das Leben mit – wie man so sagt – „Sex, Drugs and Rock n‘ Roll“ wurde ihm dann irgendwann doch unheimlich, die Liebe zum Lesen und zum Buch rückte in den Vordergrund. Gut also, dass Helmut Zechner als Plan B bereits eine Buchhandelslehre absolviert hatte.

Zu hohe Lohnabschlüsse

Inzwischen plagen den Kärntner Obmann der Fachgruppe Buch- und Medienwirtschaft die ganz realen Sorgen einer Branche, die irgendwie am Holzweg ist, wie unser Gespräch schnell offenbart. Das liegt übrigens nicht nur an den massiv gestiegenen Papierpreisen, die Verlagen wie Buchhandlungen gleichermaßen Probleme bereiten. Heli Zechner, wie ihn seine Freunde nennen, kämpft gleich an mehreren Fronten gegen Fehlentwicklungen. Am drängendsten ist derzeit das Problem der Arbeitskosten. Die Löhne im Buchhandel sind von 2023 auf 2024 in nur zwei Jahren um über 18 Prozent gestiegen, seit der Pandemie (2020) sogar um insgesamt rund 30 Prozent. Das sei in einer Branche, die kaum noch Wachstum generiere (siehe Infokasten) nicht mehr zu verdienen.

Buchmarkt

Umsatzentwicklung 2025 zu 2024 in

Österreich: + 0,1 Prozent

Deutschland: – 2,9 Prozent

Schweiz: + 1 Prozent

Quelle: boersenblatt.net

Ein Viertel weniger Beschäftigte

Die logische Folge: Personalabbau! Zechner sieht sich da ganz im generellen Trend des heimischen Buchhandels, der rund ein Viertel seiner Beschäftigten abgebaut hat. In der Buchhandlung Heyn waren es vor drei Jahren 24 Vollzeit-Äquivalente, aktuell sind es noch 19. Er geht hart mit der Gewerkschaft ins Gericht, die ausschließlich darauf schaue, dass den Beschäftigten die Inflation abgegolten werde. Sie nehme allerdings keine Rücksicht auf das Marktumfeld. Nach einem Gespräch mit dem Kollektivvertrags-Chefverhandler formuliert er es resignierend so: „In der Gewerkschaft spielt die Solidarität keine Rolle mehr.“ Und er meint die Solidarität mit jenen, deren Stellen aus wirtschaftlichen Gründen abgebaut werden mussten. Aus den Augen, aus dem Sinn, könnte man die Position der Gewerkschaft sprichwörtlich zusammenfassen.

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Preisdruck im Bücherregal

In Deutschland war die Situation bis zuletzt deutlich günstiger. Aufgrund der niedrigeren Inflation stiegen dort auch die Löhne nicht so stark – ein klarer Wettbewerbsnachteil für Österreich. Aber dann brachen auch bei den nördlichen Nachbarn wegen des teilweise ruinösen Preiskampfs der Verlage untereinander die Umsätze ein (siehe Infokasten oben). Die daraus resultierenden niedrigeren Ladenpreise drücken die Margen für den Buchhandel. Relevant ist das auch für Österreich, weil rund 80 Prozent des österreichischen Markts von deutschen Verlagen dominiert werden. Die Buchpreise seien im Keller, meint Zechner. Zum Teil helfe natürlich die so genannte Buchpreisbindung, die fixe Preise und damit für Verlage und Handel Mindesterlöse pro Buch festschreiben, die nicht unterboten werden dürfen. Die trotzdem unterschiedlichen Ladenpreise in Deutschland und Österreich für dasselbe Buch erklären sich übrigens aus der Differenz in der Mehrwertsteuer: In Österreich sind es 10 Prozent, in Deutschland nur sieben Prozent.

Riesige Lager unverkäuflicher Bücher

Im Jahr 1989 habe ein Hard-Cover hierzulande im Schnitt umgerechnet 22 Euro gekostet, so Zechner. Inflationsbereinigt müsste dieser Wert also inzwischen bei 55 Euro liegen, zeigt die Berechnung von inflationsrechner.at . Aber davon sind wir weit entfernt. Für das Jahr 2025 weist das Börsenblatt des deutschen Buchhandels (Info hier) allerdings inklusive Taschenbüchern einen Wert von 16,67 Euro aus. Der finanzielle Spielraum ist sehr viel enger geworden. Dazu kommt, dass der Produkt-Lebens-Zyklus beim Buch auch immer kürzer greift. Etliche Verlage und Buchhandlungen ersticken in riesigen Lagern praktisch unverkäuflicher, oft nur wenige Jahre alter Bücher, die regelmäßig drastisch abgewertet werden müssen.

Welche Bücher „gehen“ am besten?

Belletristik: + 3,1 Prozent

Kinderbuch: + 2,6 Prozent

Sachbuch: +2,6 Prozent

Und welche am schlechtesten?

Wirtschaft & Recht: – 10 Prozent

Ratgeber: – 6 Prozent

Naturwissenschaften/Reisen: – 4,6 Prozent

Umsatzentwicklung in Österreich 2025 zu 2024 laut boersenblatt.net

Buchhandlung Heyn
Riesen Buchangebot in der Buchhandlung Heyn. Foto: Gilbert Waldner

Lesekompetenz schwindet

Zechner beobachtet aber auch drei bedrohliche generelle Trends, die der „Kulturtechnik Lesen“ entgegenlaufen:

  • Eine Generation von buchaffinen Menschen stirbt weg. Nachwuchs ist nicht in Sicht.
  • Das Streamen von Videos, Bildern und Filmen über Online-Plattformen kostet viel Lesezeit, die auch aktuelle Trends wie „New Adult“ (der neue „Liebesroman“ für Junge zwischen 18 und 25, Info hier , nicht ersetzen können).
  • Statistiken zeigen, dass die Kompetenz, sinnerfassend zu lesen, kontinuierlich zurückgeht (Info hier ). Gerade da seien vor allem die Eltern gefordert, die aber selbst immer weniger lesen, wie Zechner beklagt. Ein regelrechter Teufelskreis also.

Was tun?

Die Buchhandlung Heyn hat immer wieder sehr flexibel auf Marktentwicklungen reagiert, wurde mehrfach für ihr kreatives Marketing ausgezeichnet. Rechtzeitig ist man etwa in den Online-Handel eingestiegen, der rund ein Drittel des Umsatzes ausmacht, in der Pandemie zwischendurch sogar auf einen Anteil von 38 Prozent kletterte. Hier braucht man sich vor den bekannten Online-Riesen nicht zu verstecken. Im Gegenteil, wer als Leserin Orientierung sucht, der findet sie bei heyn.at deutlich kompetenter als im Dickicht oft grenzwertiger so genannter Rezensionen auf besagten Online-Plattformen. Die Leserin ist hier übrigens durchaus bewusst generalisierend benannt: „Rund 80 Prozent der Kunden sind Kundinnen“, bestätigt Zechner.

Lieblingsthema: Bücher

Im Geschäft in der Klagenfurter Kramergasse setzt Zechner erst recht auf kompetente Beratung. Auch hier sind vorwiegend Frauen beschäftigt, die seine Leidenschaft fürs Lesen teilen. Etliche haben eine Buchhandelslehre absolviert. Bevorzugt übrigens nach der Matura. Dazu passt dann auch folgendes: Wir haben uns einen sehr ruhigen nachösterlichen Vormittag für unseren Besuch in der bereits im Jahr 1868 gegründeten, ältesten und größten Buchhandlung Kärntens ausgesucht. Aber auch mit halbem Ohr kriegen wir noch mit, wie leidenschaftlich gern sich die Frauschaft bei Heyn untereinander sogar noch im Leerlauf über ihr Lieblingsthema Bücher austauscht. Wenn sie nicht gerade die beiden schwarzen Katzen Nilo und Nala streicheln, die hier vollkommen natürlich zum Inventar zählen und denen zumindest in der Nacht die Buchhandlung ganz allein gehört.

Gilbert Waldner
Gilbert Waldner
Autor | Kärnten
Ressorts: Wirtschaft | Politik, Hart | Herzlich, Öko | Logisch
waldner@mut-magazin.at

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