Benzin-Nostalgie und elektrisierende Zukunft

Trotz verlängerter Pickerl-Intervalle und lästiger Konkurrenz durch Service-Stationen blickt Michael Schnabl, Innungsmeister der Kärntner Fahrzeugtechniker, zuversichtlich nach vorne. Noch heuer will er 2,8 Mio. Euro in seinen Betrieb in Nötsch investieren.

Der hochgewachsene, sportlich-schlanke Mittfünfziger strahlt jene Ruhe aus, an der man normalerweise Leute erkennt, die oft besonders schnell unterwegs sind. Und das ist Michael Schnabl nicht nur, wenn er im Feuerwehrauto zu Einsätzen rast, sondern auch bei Berg-, Cart- oder Skirennen. Dabei hat er schon in seinem Betrieb, der Schnabl KG, alle Hände voll zu tun. Das Team von 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern repariert alle Automarken und Klein-LKW, außerdem Mopeds und Motorräder. Das schließt natürlich auch Karosserieschäden mit ein. So wie man im Rallye-Sport immer schon die nächsten Kurven vorausdenkt, beschäftigt sich Schnabl bereits seit 15 Jahren mit alternativen Antrieben. Seit dreieinhalb Jahren ist er zertifizierter Tesla-Body-Repair-Shop. Klingt ziemlich großspurig, heißt aber einfach, dass sich Tesla-Fahrer darauf verlassen können, dass ihre Fahrzeuge hier kompetent repariert werden. Dafür hat sich Schnabl extra einen Roboter angeschafft, der Lacke für Karosserieteile extrem präzise und automatisch mischen kann.

Benzin-Nostalgie und elektrisierende Zukunft
Michael Schnabl vor seinem hochpräzisen Roboter zum Mischen der Autolacke. Foto: Gilbert Waldner

Alternative Antriebe legen zu

Überhaupt ermutigt er jene Branchenkollegen, die bisher noch keine Elektroautos warten und reparieren, sich doch einen Ruck zu geben. Die andauernde Spritpreiskrise kenne vor allem einen Gewinner: den alternativen Antrieb. Unter den 284.978 Neuzulassungen im Jahr 2025 nahm er bereits einen Anteil von 60,5 Prozent ein. Der Zuwachs gegenüber 2024 betrug satte 37,3 Prozent. Zwar dominieren noch immer die Benzin-Hybride, aber die sogenannten BEVs (Battery Electric Vehicles) holen jetzt vor allem auch bei den Privaten auf, meldet der ÖAMTC hier . Auf der ersten Welle der E-Auto-Zulassungen in Österreich segelten ja noch vor allem Firmen, jetzt schlagen immer mehr Otto-Normalverbraucher zu. Es sei denn, sie leben in Städten, wo das Problem mit der fehlenden Ladeinfrastruktur nach wie vor ungelöst ist.

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E-Autos brennen viel seltener

So gesehen liegt Schnabl mit seiner Werkstatt in Nötsch am dicht zersiedelten Eingang des Gailtals mit einem Einzugsgebiet bis Villach und ins Drautal gerade richtig. Wer sich zu Hause eine Wallbox zum Laden installieren kann, der pendelt wohl langfristig konkurrenzlos günstig mit dem E-Auto zur Arbeit. Elektrisierende Freude kommt bei Werkstätten zwar nicht auf, brauchen die Fahrzeuge doch viel weniger Betriebsmittel wie Öl, Filter & Co als der klassische Verbrenner. Aber aufzuhalten sei der Trend ohnehin nicht. Schnabl ärgert sich über so manches e-mobile Vorurteil: Etwa dass Elektroautos so leicht brennen würden. Im Vergleich zum Diesel oder Benziner geschehe das anteilsmäßig im Promillebereich, verteidigt er die modernen Sicherheitskonzepte der in den Fahrzeugen verbauten Akkus.

Benzin-Nostalgie und elektrisierende Zukunft
Die Schnabl KG ist zertifizierter Tesla-Body-Repair-Shop. Foto: Gilbert Waldner

2,8-Mio.-Euro-Investition

Als Unternehmer schätzt er das Umfeld jedenfalls so optimistisch ein, dass er schon demnächst groß investieren will. 2004 hat er das von seinem Großvater Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts gegründete Unternehmen übernommen. 2009 wurde auf der gegenüberliegenden Seite westlich der Hauptstraße („Anschlussstelle West“) ein erster Zubau errichtet. Jetzt werden Nägel (oder doch eher Schrauben) mit Köpfen gemacht. Auch die Büros sollen in die nächste Ausbaustufe übersiedeln. Die Abläufe werden neu organisiert und dem Workflow im Betrieb angepasst. Die gewerberechtliche Genehmigung läuft gerade. Stolze 2,8 Mio. Euro wird Schnabl dafür in die Hand nehmen. Eine gewaltige Summe für einen Betrieb dieser Größenordnung. Die stemmt man nur, wenn man an die Zukunft glaubt. Und die ist auch schon quasi im Betrieb: Schnabls Neffe schickt sich an, in dessen Fußstapfen zu treten. Das wäre dann schon die vierte Generation. Denn bis zum 100jährigen Firmenjubiläum ist es nicht mehr weit.

Klein strukturierte Branche

Die Branche ist österreichweit eher klein strukturiert. 82 Prozent der 20.523 Betriebe (2024) haben bis zu 49 Beschäftigte, rund die Hälfte davon weniger als zehn (Quelle: WKO). Von einer Krise ist vorerst nichts zu bemerken. Denn zwischen 2010 und 2024 stieg die Zahl der Unternehmen trotz herausforderndem Umfeld um mehr als tausend. Der Shift in Richtung E-Mobilität ist beileibe nicht die einzige Baustelle. Die klassischen Kfz-Werkstätten kommen immer stärker durch die 5800 so genannten Service-Stationen (528 davon in Kärnten) unter Druck, erklärt Schnabl. Würden sich letztere an die ihnen erlaubten Tätigkeiten halten, gäbe es ja nichts auszusetzen. Bauen sie aber Windschutzscheiben ein, reparieren Airbags oder Bremsanlagen, dann höre sich der Spaß auf. Das sei sicherheitsrelevant, verlange qualifiziertes Personal und oft spezielles Equipment, so Schnabl, der gerade mit seinen Kollegen aus den anderen Bundesländern an einer Aufklärungskampagne arbeitet.

Kfz-Reparaturen immer teurer

Ein Haupttreiber der Kostensteigerungen sind die Ersatzteilpreise. Laut dem Gesamtverband der Versicherer in Deutschland legten sie zwischen August 2024 und August 2025 um sechs Prozent zu. Also deutlich über der Inflationsrate.
Aber auch die Mechanikerstunde ist kein Schnäppchen. Laut einer Studie der Arbeiterkammer in Wien kostete sie 2015 noch durchschnittlich 122,74 Euro. 2025 waren es schon 188,25. Auffällig sind die enormen Unterschiede. In der günstigsten Werkstatt kostete sie zuletzt 144 Euro, in der teuersten mehr als doppelt so viel, nämlich 321 Euro. Vergleichen zahlt sich also aus.

Gefährliche neue Pickerl-Überprüfung?

Mit Argus-Augen schielen Vertreter der Branche aber auch auf die geplante Reform der Kfz-Überprüfung nach Paragraf 57a, also das so genannte Pickerl. Bisher wurde ja nach der Formel 3-2-1 überprüft, also das erste Mal nach drei Jahren, das nächste Mal nach zwei und dann jedes Jahr. Diese Intervalle sollen nun nach der neuen Formel 4-2-2-2-1 gestreckt werden. Das würde bedeuten, dass man erst nach zehn Jahren jährlich zur Überprüfung fahren müsse, sorgt sich Schnabl um die Sicherheit der Autos. Gerade bei Vielfahrern sei das sehr kritisch zu sehen. Denn nicht jeder halte vorgeschriebenen Service-Intervalle ein. Tatsache ist allerdings, dass die Überprüfungsintervalle in anderen Ländern deutlich länger sind und sich der von Neos-Staatssekretär Sepp Schellhorn eingebrachte Vorschlag an einer EU-Vorgabe orientiert. Nähere Infos dazu hier

Große Nachwuchsprobleme

Ein anderes Riesenthema für die Kfz-Branche ist der Nachwuchs. In Schnabls Betrieb arbeiten fast nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auch hier ausgebildet wurden. In den letzten Jahren sei es aber immer schwerer geworden, geeignete Kandidatinnen oder Kandidaten für die Lehre zu finden – auch wenn Schnabl inzwischen natürlich die Lehre mit Matura anbietet. Gerade hat er eine Karosseriebautechnikerin aufgenommen, die sich für dieses Modell entschieden hat. Dafür musste er sich von einem männlichen Lehrling trennen, mit dem es gar nicht funktioniert hat. Schnabl stimmt laut in den Chor jener ein, die diagnostizieren, dass den BewerberInnen heute vielfach Grundfertigkeiten nicht nur im handwerklichen Bereich abgehen.

Immer weniger Lehrlinge

Und tatsächlich, die Zahl der Lehrlinge im Bereich Kfz-Technik ist nicht nur in Kärnten rückläufig. 2010 waren es noch 3171, 2024 sank diese Zahl auf 2883. Von den 623 im Bundesland registrierten Betrieben bilden laut WK-Kärnten-Statistik nur mehr 245 Lehrlinge aus. Die Lehrlingsentschädigungen steigen ebenso wie die Zeiten der Abwesenheit, in denen die jungen Leute dem Betrieb nicht zur Verfügung stehen. Und nach dem Lehrabschluss geht dann das große Abwerben los. Trotzdem gehört die Kfz-Technik-Lehre traditionell zu den beliebtesten. In Kärnten liegt sie hinter der Elektrotechnik und der Metalltechnik auf Rang drei. Allerdings nicht bei Mädchen, wo sie keinen der Top-10-Plätze belegt und also Aufholbedarf hat.

Kraftfahrzeugtechnik in Kärnten 

623 Betriebe
245 Ausbildungsbetriebe
583 Lehrlinge, Rang drei unter den beliebtesten Lehrberufen hinter Elektrotechnik (723) und Metalltechnik (590). Bei den weiblichen Lehrlingen rangiert die Kraftfahrzeugtechnik allerdings nicht unter den Top-10.

Kraftfahrzeugtechnik in der Steiermark

1482 Betriebe
488 Ausbildungsbetriebe
1300 Lehrlinge, ebenfalls Rang drei hinter Elektro- und Metalltechnik. Auch in der Steiermark rangiert die Kraftfahrzeugtechnik nicht unter den Top 10 bei den weiblichen Lehrlingen.

Benzin im Blut

Inzwischen sind wir auf unserem Rundgang mit Michael Schnabl im ältesten Teil des Betriebs angekommen, wo auf einer Hebebühne sein großer Schatz, ein Ford Escort RS Cosworth Allrad steht: Baujahr Anfang der 90er Jahre, nachtschwarz und in 1A-Zustand. Für so ein Fahrzeug werden schon gelegentlich Preise deutlich jenseits der 100.000-Euro-Marke abgerufen. Aber darüber schweigt der Genießer mit Benzin im Blut natürlich, der übrigens selbst noch gelegentlich Bergrennen damit fährt. Fast verschämt vermerkt er den Benzinverbrauch, der im Bleifußbetrieb fällig wird: 25 Liter Super auf 100 km. Die Rallye-Version dieses Escort gewann von 1993 bis 1996 etliche Weltmeisterschaftsläufe – am Steuer so bekannte Piloten wie Francois Delecourt oder Carlos Sainz. Unter dem Escort hat Schnabl übrigens einen ähnlich betagten und ähnlich perfekten schneeweißen Ford Mustang Cabrio stehen, der inzwischen auch nur noch eher selten bewegt wird. Fürs Tägliche stehen draußen im Hof zwei Teslas. Den Spagat zwischen diesen beiden Autophilosophien schafft Schnabl locker, denn schließlich lebt er ja davon.

Der Traum vom Feuerwehrmann

Der passionierte Motorsportler liebt es aber auch einige Nummern kleiner. Als Obmann des Nötscher Modell-Buggy-Vereins jagt er regelmäßig seinen ferngesteuerten kleinen Boliden über Sandpisten. Ein ziemlich kostspieliges Hobby, wenn man es ernsthaft betreibe, gibt er zu. Aber ein geselliges und generationenübergreifendes. Die 15 Mitglieder des Vereins starten altersmäßig mit 25 in der nach oben offenen Skala der großen Kinder. Apropos Kinder: Während viele nur davon träumen Feuerwehrmann zu werden, hat es Schnabl tatsächlich geschafft. Er ist stellvertretender Ortsfeuerwehrkommandant in Nötsch und kann vor allem bei technischen Einsätzen wie Verkehrsunfällen seine ganze berufliche Kompetenz einbringen. Beneidenswert, wie Michael Schnabl betriebliche Interessen und private Leidenschaften unter einen Hut bringt.

Gilbert Waldner
Gilbert Waldner
Autor | Kärnten
Ressorts: Wirtschaft | Politik, Hart | Herzlich, Öko | Logisch
waldner@mut-magazin.at

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