ALPSiX in Kärnten: Neuer Internetknoten verkürzt Datenwege

Wollen zwei Unternehmen in Kärnten Daten austauschen, müssen diese bisher erstaunliche Umwege – etwa über VIX (Vienna Internet eXchange), SIX (Slovenian Internet eXchange) oder MIX (Milan Internet Exchange) – nehmen. ALPSiX in Klagenfurt und Villach ermöglicht es angeschlossenen Netzen künftig, Daten direkt vor Ort zu übermitteln. Für Kärntens Wirtschaft ist das ein Infrastrukturprojekt mit Wirkung über die Landesgrenzen hinaus.

Mitte September wurde der neue Internet-Knoten ALPSiX powered by DE-CIX vorgestellt, ab Ende 2026 wird der Datenverkehr an den Standorten Klagenfurt und Villach regional durch die Glasfaserleitungen strömen. Aufträge für Netzanschlüsse werden bereits entgegengenommen. Hinter dem Projekt stehen die landeseigene BIK (Breitbandinitiative Kärnten GmbH) und der Internetknotenbetreiber DE-CIX, der auch den technischen Betrieb übernimmt. ALPSiX ist als neutraler Knoten angelegt: Er soll Netze unabhängig vom jeweiligen Telekommunikationsanbieter oder Rechenzentrum miteinander verbinden und Kärnten zugleich an das internationale DE-CIX-Netzwerk anbinden.

Daten auf Umwegen

Ein Internetknoten ist ein Treffpunkt für Netze. Dort können beispielsweise Internetanbieter, Unternehmen und Betreiber digitaler Dienste Datenverkehr direkt untereinander austauschen. Ohne eine solche Zusammenschaltung kann der Weg zwischen zwei regionalen Netzen über einen entfernten Knoten – bisher meist über den Vienna Internet eXchange – führen. ALPSiX schafft die Möglichkeit, geeigneten Datenverkehr in der Region zu halten und zugleich Verbindungen zu internationalen Knoten zu nutzen.

Kürzer ist schneller

Der Vorteil liegt in kürzeren Wegen und zusätzlichen Verbindungsoptionen. Das kann die Verzögerung bei der Datenübertragung – die sogenannte Latenz – senken und die Widerstandsfähigkeit der Vernetzung erhöhen. Ob und wie stark einzelne Betriebe davon profitieren, hängt allerdings davon ab, welche Netze sich tatsächlich anschließen und wie deren Datenverkehr geführt wird. ALPSiX ist somit kein automatisches Geschwindigkeits-Upgrade für jeden Internetanschluss, sondern eine neue Grundlage für leistungsfähigere Verbindungen.

Netzwerktechnik mit zahlreichen Glasfaseranschlüssen in einem Rechenzentrum als Symbol für schnellen regionalen Datenaustausch.
Rechenzentren wie dieses (KI-generiertes Symbolbild) steuern den weltweiten Datenverkehr. Der größte Internet-Knoten weltweit ist in Frankfurt: Die Serverdecks des Deutschen Commercial Internet Exchange, abgekürzt DE-CIX und Partner von ALPSiX, verarbeiten eine Datenmenge von mittlerweile mehr als 6 Terabit pro Sekunde. Das entspricht 1,5 Milliarden voll beschriebener DIN-A4-Seiten. Foto: KI-generiert mit ChatGPT.

Verwaltung auf Draht

Für Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Mandl reicht die Bedeutung des vor einem Jahr präsentierten und nunmehr erfolgreich umgesetzten Projekts über die Technik weit hinaus. „ALPSiX ist ein technischer und wirtschaftlicher Impuls für die AREA Süd. Schnelle Datenverbindungen können Rechenzentren, neue Geschäftsmodelle und Betriebsansiedlungen fördern. Das bedeutet auch ein enormes Potenzial für moderne Arbeitswelten und die Digitalisierung der Verwaltung.“

Kärnten als Verbindungspunkt im Alpen-Adria-Raum

Die Lage zwischen Mitteleuropa, Norditalien und Südosteuropa ist bei ALPSiX Teil des Konzepts. Die Projektpartner wollen Klagenfurt und Villach als regionalen Treffpunkt für Netze etablieren und über das DE-CIX-Ökosystem mit weiteren europäischen und globalen Standorten verbinden. Zusätzliche Verbindungswege, etwa in Richtung Bayern, sollen die bisherige Abhängigkeit von einzelnen Routen verringern.

Highspeed für die AREA Süd

Damit bekommt die Idee der AREA Süd eine digitale Dimension: Infrastruktur, die Unternehmen in Kärnten zugutekommt, kann auch für Datenverkehr und digitale Dienste im größeren Alpen-Adria-Raum interessant werden. „Ob daraus ein bedeutender grenzüberschreitender Knoten entsteht, wird sich mit der Zahl und Vielfalt der angeschlossenen Netze zeigen. Aber ich bin optimistisch, dass viele Unternehmen und Organisationen im Alpen-Adria-Raum die neue Auffahrt auf den internationalen Datenhighway nutzen werden“, erklärte Mandl.

Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl vor dem Gebäude der Wirtschaftskammer Kärnten.
WK-Präsident Jürgen Mandl sieht in ALPSiX einen technischen und wirtschaftlichen Impuls für die gesamte AREA Süd. Foto: Helge Bauer

Glasfaserausbau: Luft nach oben

Franz Ahm, Obmann der Sparte Information und Consulting in der Wirtschaftskammer Kärnten, sieht darin eine Chance für die Standortentwicklung. ALPSiX werde Kärnten „direkt mit den globalen Datenautobahnen verbinden“, sagte er bereits bei der Vorstellung seiner Zukunftsagenda für die Sparte. Zugleich verwies Ahm darauf, dass der regionale Breitbandausbau weitergehen muss. Denn ein leistungsfähiger Internetknoten und gute Anschlüsse für Betriebe in allen Landesteilen erfüllen unterschiedliche, einander ergänzende Aufgaben. Dass es beim Glasfaserausbau noch Luft nach oben gibt, zeigen aktuell Zahlen der Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH (RTR) für das vergangene Jahr. Kärnten liegt im Bundesländervergleich mit einem Versorgungsgrad von 24 Prozent aller Haushalte nur auf Rang sieben und auch hinter dem österreichweiten Schnitt von knapp 40 Prozent. Ahm: „Das ist nicht die Position, die ich mir für den Standort Kärnten erwarte.“

Franz Ahm, Obmann der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Kärnten, vor der Europa- und Kärnten-Fahne.
Spartenobmann Franz Ahm sieht in ALPSiX eine Chance für den Standort, mahnt zugleich aber weiteren Nachholbedarf beim Kärntner Glasfaserausbau ein. Foto: Helge Bauer

Relevanz für Betriebe und neue Anwendungen

Kurze Datenwege werden besonders dort interessant, wo Anwendungen rasch reagieren oder große Datenmengen zwischen Standorten, Diensten und Rechenzentren fließen müssen. Dazu zählen etwa vernetzte Produktionsprozesse, Cloud-Dienste und datenintensive Anwendungen. Auch künstliche Intelligenz erhöht die Anforderungen an die Infrastruktur, wenn Daten zwischen Unternehmen, NutzerInnen und Rechenleistung übertragen werden. UBIT-Fachgruppenobmann Martin Zandonella bringt den Zusammenhang auf den Punkt: „Digitalisierung braucht nicht nur innovative Ideen und kluge Anwendungen, sondern auch eine leistungsfähige Infrastruktur.“ ALPSiX ermögliche den direkten Datenaustausch vor Ort. Kurze Datenwege, geringe Latenzzeiten und eine widerstandsfähige Infrastruktur seien wichtige Voraussetzungen für neue digitale Geschäftsmodelle und die zunehmende Nutzung von KI.

Porträt von UBIT-Fachgruppenobmann Martin Zandonella im dunklen Sakko vor hellem Hintergrund.
UBIT-Fachgruppenobmann Martin Zandonella: Leistungsfähige Infrastruktur ist eine zentrale Voraussetzung für Digitalisierung, KI und neue Geschäftsmodelle. Foto: Helge Bauer

Mehr Tempo, höhere Sicherheit

Der Nutzen erschöpft sich dabei nicht in höherem Tempo. Wenn Netze mehrere geeignete Wege zur Verfügung haben, können sie ihre Verbindungen robuster gestalten. Auch die Frage, wo Daten zwischen Netzen übergeben werden, gewinnt für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen an Bedeutung. Ein regionaler Knoten schafft dafür eine zusätzliche Option; Sicherheitskonzepte und die Absicherung der einzelnen Systeme ersetzt er nicht.

Technisch gehen die Projektpartner einen besonderen Weg: Die Infrastruktur soll in kompakten Edge-Containern untergebracht werden, statt wie bei vielen Internetknoten ausschließlich in Rechenzentren. Nach Angaben der Partner rückt der Datenaustausch damit näher an die Nutzer und Anwendungen der Region.

Das Projekt in Zahlen

  • 2 Standorte in Klagenfurt und Villach
  • geplanter lokaler Datenaustausch angeschlossener Netze ab Ende 2026
  • mehr als 60 Standorte im internationalen DE-CIX-Ökosystem
  • mehr als 15.000 Unternehmen und rund 300.000 Menschen in der Region Klagenfurt-Villach

Peter Schöndorfer
Peter Schöndorfer
Autor & Podcaster | Kärnten
Ressorts: Wirtschaft | Politik, Menschen | Meinungen, Nah | Fern
schoendorfer@mut-magazin.at

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