5 Dinge, die ich von Vierjährigen übers Business gelernt habe

In seiner Kolumne „Selbst & ständig“ schreibt unser Autor Ljubisa Buzic über das Leben als Ein-Personen-Unternehmen – mit persönlichen Erfahrungen, Aha-Momenten und einer Portion Selbstironie. Diesmal: Coaching-Tipps aus dem Kindergarten.

Mein Tag hat heute mit einer harten Verhandlungsrunde begonnen. Ich selbst bin dabei zwischen zwei zerstrittenen Parteien gestanden und habe versucht, zu vermitteln. Es ist laut geworden. Die Emotionen sind hochgegangen. Es wurde geschrien und es sind sogar Dinge durchs Zimmer geflogen. Fast wäre es auch zu Handgreiflichkeiten gekommen, wenn ich nicht dazwischen gegangen wäre. Gegenstand des Konflikts: ein Plastik-Dinosaurier.

Richtig erkannt, die Konfliktparteien, um die es hier geht, sind keine Geschäftspartner, sondern meine beiden Zwillingsbuben. Sie sind vier Jahre alt und sie stellen mich immer wieder vor ganz neue Herausforderungen.

Etwa morgens, wenn ich mich für einen wichtigen Termin fertig machen muss, und sie plötzlich vergessen, wie man sich selbst eine Hose anzieht. (O-Ton mit unschuldigstem Engels-Blick: „Ich weiß nicht, wie das geht“). Oder wenn sie abends beim Schlafengehen in passivem Widerstand verharren und sich auf den Wohnzimmerboden legen wie Demonstranten, die sich gegen ein tyrannisches Regime auflehnen (das in dem Fall ich bin).

Die beiden sind in ihrem zarten Alter schon jetzt wahre Meister des Verhandelns und der Selbstbehauptung. Und auch wenn ihr Umgang miteinander und mit der Welt nicht immer ganz friktionsfrei ist, kann man sich doch einiges von ihnen abschauen.

Hier fünf Dinge, die ich von meinen Vierjährigen fürs Business gelernt habe:

1. Sei laut!

Der Lauteste bekommt den Zuschlag, sagt man. Seit ich Kinder habe, weiß ich, dass darin eine tiefe Wahrheit liegt. Wenn meine zwei etwas wollen, dann ist das nicht zu überhören. Und wenn sie eine Meinung haben, dann sorgen sie dafür, dass man sie erfährt. Sie lassen sich auch nicht davon irritieren, dass jemand anderes vor ihnen mit dem Reden angefangen hat. Das ist in der echten Welt vielleicht nicht immer charmant, aber allemal effektiv.

Klar gibt es die Leute, die bei jedem Termin oder Networking-Event aufschlagen und nicht zu überhören sind. Aber alle, die von ihrem Naturell eher ruhiger sind, können sich bei den Kindern durchaus ein Scheibchen abschneiden: Sie sind laut, sie sind von dem, was sie sagen, überzeugt und sie mischen sich notfalls auch ungeniert ein, wenn ihnen etwas wichtig ist. Das kann man nur unterstützen.

2. Gib niemals nach

Eines muss man Vierjährigen schon lassen: Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben, dann sind sie nicht so leicht davon abzubringen. Beharrlichkeit ist auch etwas, das man im Unternehmertum braucht. Sich nicht von Widerständen und Absagen entmutigen zu lassen – das kann man tatsächlich gut von Kindern lernen.

Als Freelancer reagiert man oft genug auf eine Absage mit Verständnis und Zurückhaltung, statt einen neuen Vorschlag zu machen oder es einfach nächste Woche nochmal zu probieren. Ein „Passt leider nicht ins Budget“ reicht oft, um die Sache abzuhaken und mich dem nächsten Thema zuzuwenden. Dabei wäre ein zweiter Versuch oft gar nicht so verkehrt. Man muss ihn halt machen.

3. Stelle viele Fragen

Noch ein typischer Fehler, der – zumindest mir als Selbstständigem – immer wieder unterläuft: Ein Kunde schickt einen Auftrag, der aus zwei Sätzen und einem Internet-Link besteht und ich schreibe „Ja, klar, kann ich gerne übernehmen“. Ganz nach dem Motto „Das wird sich dann schon bei der Arbeit klären“. Einem Vierjährigen würde das nicht passieren.

Denn das Wörtchen „warum“ ist gemeinsam mit dem berüchtigten „aber“ eines der am häufigsten benutzten im Wortschatz meiner Zwillinge. Warum muss man Zähneputzen? Warum müssen wir schlafen gehen? Warum hat der Papa auch am Körper Haare? Man muss vielleicht nicht immer ganz so sehr ins Detail gehen, aber ein paar Fragen mehr zu stellen, hat gerade bei einer beruflichen Zusammenarbeit selten geschadet.

4. Zerlege alles in Einzelteile

Wer einen Vierjährigen – oder in dem Fall zwei – schon mal beim Spielen beobachtet hat, bemerkt schnell: Kein Spielzeug bleibt lange in einem Stück. Schon nach zehn Minuten hat sich das vormals aufgeräumte Wohnzimmer in ein Schlachtfeld aus Lego-Köpfen, Roboter-Armen und auseinander genommenen Piratenschiffen verwandelt.

Ebenso sollte man manchmal mit seinem eigenen Unternehmen oder einem festgefahrenen Projekt verfahren. Alles Stück für Stück auseinandernehmen, Schwachstellen suchen und dann auf neue, effiziente Art wieder zusammensetzen. Vielleicht braucht der Roboter ja gar keine Arme.

5. Hab keine Angst vor Fehlern

Geben wir es zu: Österreich hat nicht unbedingt eine ausgeprägte Fehlerkultur. Während es in den USA normal ist, als Unternehmen Risiken einzugehen, zu scheitern und ein paar Monate später mit einem neuen Business auf der Matte zu stehen, ist es bei uns oft nach einem Misserfolg vorbei mit dem Unternehmertum.

Hier können wir uns an den Kindern ein Beispiel nehmen. Meine Söhne bauen Türme, die wagemutig der Physik trotzen, und malen Sonnen, die eher aussehen wie Explosionen über der Blumenwiese. Was immer sie tun, sie „ownen“ es, wie man auf Neudeutsch sagt. Sie machen es sich zu eigen – sie stehen dazu. Diesen Umgang mit dem Scheitern würde ich mir öfter in der Berufswelt wünschen.

Das Business ist ein Kindergarten

Wenn das Leben ein Spiel ist, dann ist die Arbeitswelt der ultimative Kindergarten. Nur ohne Aufsicht. Wer besetzt die Sandkiste? Mit wem aus der Bauecke muss man sich gutstellen, damit man mitmachen darf? Wer ist schuld, dass der Holzturm umgestürzt ist? Manche haben von Natur aus ein Talent dafür, andere brauchen erst mal eine Weile, um die Spielregeln zu lernen.

So oder so kann es nicht schaden, sich ein paar Dinge von den Kindern abzuschauen. Und den Spaß an der Sache nicht zu verlieren. Denn ähnlich wie im Kindergarten ist nicht immer alles ganz so dramatisch, wie es vielleicht erscheint, wenn man mittendrin ist.

Für den besagten Dinosaurier vom Anfang wurde am späteren Nachmittag übrigens eine Regelung gefunden, die beide Parteien zufriedengestellt hat. Mit gemeinsamer Bespielung und abwechselnden Nutzungszeiten. Genau so sieht gutes Verhandeln aus.

Ljubisa Buzic
Ljubisa Buzic
Autor | Kärnten
Ressorts: Menschen | Meinungen, Hart | Herzlich, Arbeiten | Leben

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