5 Dinge, die ich als Selbstständiger 2026 angehe

In seiner Kolumne „Selbst & ständig“ schreibt unser Autor Ljubisa Buzic über das Leben als Ein-Personen-Unternehmen – mit persönlichen Erfahrungen, Aha-Momenten und einer Portion Selbstironie. Diesmal: Fünf Neujahrsvorsätze für Selbstständige.

Mit Silvester ist es so eine Sache. Entweder man mag es oder man kann damit nichts anfangen. Ich persönlich bin ein Freund des Jahreswechsels. Ich mag die Partys, das Feuerwerk, das Warten auf Mitternacht. Und ich mag die Jahresrückblicke, die in den Wochen davor auf allen Kanälen laufen. Was ich ebenfalls mag, ist dieser Moment der persönlichen Reflexion. Wenn man das vergangene Jahr mit etwas Abstand betrachtet, wird einiges klarer.

Und obwohl ich kein Freund der klassischen Neujahrsvorsätze bin, finde ich das Jahresende eine gute Zeit, um sich einen Plan fürs kommende Jahr zurecht zu legen. Gerade als Selbstständiger muss man sich selbst im Blick behalten und weiterentwickeln. Hier also meine fünf Punkte für 2026.

1. Einen Akquise-Monat machen

Bei einer ehrlichen Bestandsaufnahme sollte man nicht nur auf die Schwächen schauen, sondern auch auf das, was gut funktioniert hat. Und eines hat 2025 richtig viel gebracht: ein fixer Akquise-Monat. Als Selbstständiger ist man schließlich alles in einer Person: Chef, Mitarbeiter, Marketingabteilung, Buchhaltung, und Vertrieb. Diese Rollen sind nur theoretisch gleichzeitig machbar. In der Praxis bleibt immer etwas liegen. Und oft genug ist es die Akquise, die im Alltag untergeht, bis man sie plötzlich dringend braucht.

Also habe ich im Vorjahr den Februar zur Akquise-Zeit erklärt. Ich habe Listen mit potenziellen Kunden erstellt, mein Portfolio angepasst, E-Mails verschickt, nachtelefoniert. Und es hat sich ausgezahlt. 2026 mache ich das wieder. Ein paar Wochen, in denen Akquise oberste Priorität hat. Dann klappt‘s auch mit den neuen Aufträgen.

2. Meine Preise erhöhen

Das werden meine bestehenden Kunden jetzt weniger gerne hören, aber es gehört dazu: Ich werde höhere Honorare verlangen (müssen). Alles wird teurer. Lebensmittel, Strom, Mieten und Mobilität. Während bei Angestellten die kollektivvertraglichen Erhöhungen automatisch kommen, bleiben Text-Honorare für freie Journalisten und Schreiber oft jahrelang gleich, wenn man nicht selbst etwas sagt. Und weil Selbstständigkeit Eigenverantwortung bedeutet, muss man auch beim Geld Verantwortung übernehmen. Darüber habe ich hier schon mal geschrieben. Natürlich fühlt es sich manchmal unangenehm an, die eigenen Preise zu erhöhen. Aber der Wert der eigenen Arbeit wird nur dann ernst genommen, wenn man ihn selbst ernst nimmt.

„Gerade als Selbstständiger muss man sich selbst im Blick behalten und weiterentwickeln.“ Ljubisa Buzic

3. Buchhaltung und Steuer nicht mehr aufschieben

Die Steuererklärung mache ich ungefähr so gerne wie den Kühlschrank abzutauen. Man weiß, dass es manchmal sein muss und man hofft trotzdem, dass sich die Sache von selbst erledigt. Tut sie aber nicht. Als Selbstständiger wäre es klug, Zahlen nicht nur zu fürchten, sondern zu nutzen. Belege zeitnah zu sortieren, Fristen entspannt einzuhalten und nicht erst im Juni die Buchhaltung fürs ganze Jahr nachzuarbeiten. 2026 will ich das besser machen. Und falls jemand gute Steuertipps braucht: Mein Kollege aus der Steiermark hat die wichtigsten Punkte übersichtlich zusammengefasst. Der Beitrag ist hier zu finden.

4. Mehr Netzwerken

Es gibt Menschen, die gehen auf ein Netzwerktreffen und kennen nach einer Stunde alle beim Vornamen. Und dann gibt es Menschen wie mich, die vor solchen Veranstaltungen kurz überlegen, ob sie nicht doch lieber zuhause den Keller aufräumen. Aber wie ich in meiner letzten Kolumne geschrieben habe: Homeoffice kann still werden. Austausch mit anderen Selbstständigen tut gut, auch wenn man sich selbst nicht für einen geborenen Netzwerker hält. 2026 will ich dieses Thema ernster nehmen. Mehr Gespräche, mehr Veranstaltungen, mehr Begegnungen. Dafür will ich offener sein.

5. Urlaub rechtzeitig planen

Ich habe im Sommer schon einmal darüber geschrieben: Wenn Urlaub und Selbstständigkeit einen Beziehungsstatus hätten, dann wäre es: „It’s complicated“. Im vergangenen Jahr hat das bei mir, milde gesagt, eher „suboptimal“ funktioniert. Bedeutet: Ich hab einfach von Jänner bis Dezember keinen Urlaub gemacht. Ein paar kurze Auszeiten an den verlängerten Wochenenden, das war’s. Für 2026 nehme ich mir mehr Mut vor. Urlaub einplanen. Den Kunden gegenüber frühzeitig kommunizieren und dann auch wirklich (nach Möglichkeit ohne Laptop) wegfahren, bevor man komplett ausgelaugt ist. Meine Frau und die Kinder werden mir das danken.

Am Ball bleiben

Unterm Strich sind das alles keine großen Dinge, aber viele kleine Impulse, die in Summe einen Unterschied machen. Einiges davon werde ich umsetzen, anderes wahrscheinlich wieder aufschieben. So ist das halt. Jetzt freue ich mich auf 2026 und darauf, dass ich zumindest ein paar dieser Punkte wirklich einhalte. Zur Not schreibe ich einfach wieder eine Kolumne darüber.

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Ljubisa Buzic
Ljubisa Buzic
Autor | Kärnten
Ressorts: Menschen | Meinungen, Hart | Herzlich, Arbeiten | Leben

buzic@mut-magazin.at

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