Stolz sein auf Kärnten

von Jürgen Mandl, WK-Präsident

Das lange, bange Warten nähert sich dem Ende: Das Drama um die Hypo Group Alpe Adria, eines der größten Wirtschafts- und Politverbrechen der österreichischen Nachkriegsgeschichte, geht in seinen letzten Akt. In diesen Tagen legt das Land Kärnten seinen Gläubigern ein Angebot für den Rückkauf der Hypo-Anleihen, damit erreicht der Poker um die Zukunft des Landes in seine heiße Phase. Was auch immer im Detail dabei herauskommt: Der Zeitpunkt rückt näher, an dem die tatsächlichen Folgen für die Landesfinanzen sichtbar werden; der Moment, in dem das ganze Land zwar eine große Last für lange Zeit zu schultern haben wird, aber dennoch wieder gestaltend nach vorne blicken kann. Dazu braucht es neben der Fähigkeit zur Selbstreflexion – wie könnte es in diesem Magazin auch anders sein – vor allem Mut.

Aber Mut entsteht nicht dadurch, dass wir täglich schaudernd die unheilige Vierfaltigkeit Haider, Hypo, Heta und Haftungen herunterbeten. Es bringt uns nicht weiter, wenn wir uns jeden Tag aufs Neue gegenseitig Schauermärchen erzählen und uns damit immer mehr den Blick aufs Wesentliche verstellen: Und für mich ist das Wesentliche, dass wir ein aktiver, starker und schöner Wirtschafts- und Lebensstandort sind – und dieser Stärke müssen wir uns endlich wieder mehr bewusst werden.

Denn Mut und Stolz sind enge Verwandte. Und wir können alle miteinander stolz auf unser Land sein. Ja, in der jüngeren Vergangenheit sind Fehler geschehen, die nicht hätten passieren dürfen. Wir haben schmerzhaft daraus gelernt. Aber wir sind deshalb nicht auf alle Zeiten die Prügelknaben der Nation, und welches Bundesland frei von Fehlern, Skandalen und Affären ist, werfe den ersten Stein. Kärnten wird aus dieser Prüfung gestärkt hervorgehen. Wir haben eine starke, standfeste Wirtschaft und sind nicht nur ein Tourismus-, sondern genau genommen ein Industrieland: Die Industrie macht inklusive der von ihr ausgelösten Dienstleistungen fast 60 Prozent der Wertschöpfung und 45 Prozent der Beschäftigten in Kärnten aus. Hier finden auch vorrangig die Ausgaben für Forschung und Entwicklung statt, die stolze 500 Millionen Euro jährlich betragen.

Unser Brutto-Regionalprodukt beträgt 17,6 Milliarden Euro, der Außenhandel macht etwa sechs Milliarden aus. Wir haben in Kärnten 2.500 Exportbetriebe und bringen jedes Jahr wieder einen Handelsbilanzüberschuss zustande. 2014 betrug er 1,1 Milliarden Euro. Das ist außer uns nur Oberösterreich, Vorarlberg und der Steiermark gelungen. Wir sind also nicht nur ein Industrie- und Tourismusland, sondern auch ein Exportland. Zwei der sechs Bundes–Exportpreisträger 2015 kommen übrigens aus Kärnten. Und eine positive Handelsbilanz mit den Exportweltmeistern Deutschland oder China – das können nur wenige herzeigen.

32.000 innovative Unternehmerinnen und Unternehmer, die fast 195.000 Arbeitsplätze sichern und damit Einkommen, Kaufkraft, Steuerleistung und Wohlstand schaffen: Das ist Kärnten. Gemeinsam mit einer aus Schaden klug gewordenen Politik werden wir die Herausforderung meistern und unserem Land neuen Glanz verleihen.

Damit wir alle ohne Wenn und Aber wieder stolz sein können auf Kärnten.

 

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