„Gewinnen ist schöner“

Präsentation Jürgen Mandl als neuer WK PräsidentJürgen Mandl ist der nächste Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten. Er tritt am 2. Juli die Nachfolge von Franz Pacher an. Eine erste Bestandsaufnahme über den Tabubruch Hypo-Strafe, die Industrie 4.0 und die gesunde Härte im Team. von PETER SCHÖNDORFER

 

M.U.T.: Herr designierter Präsident Mandl, Sie übernehmen das Ruder in der Wirtschaftskammer in konjunkturell stürmischen Zeiten. Wie schätzen Sie Ihre Startposition ein?
Jürgen Mandl: Das Bundesland und damit der Wirtschaftsstandort befinden sich in einer schwierigen Situation. Wir sind in allen relevanten wirtschaftspolitischen Kennzahlen entweder trauriges Schlusslicht – nehmen wir das Bruttoregionalprodukt, Wachstum, Kaufkraft, Abwanderung, Einkommen – oder unrühmlicher Spitzenreiter, etwa bei der Arbeitslosigkeit, den öffentlichen Schulden, den Kosten des Gesundheitssystems, aber interessanterweise auch bei den Einkommen im öffentlichen Dienst. Dazu kommt ein ramponiertes Image, das uns schwer zu schaffen macht, einerseits durch die Unsäglichkeiten der Ära Haider, andererseits durch das Desaster rund um die Hypo Alpe Adria. Ich komme aufgrund meiner unternehmerischen Tätigkeit viel herum und muss feststellen: Wenn offen über die Pleite eine Bundeslandes spekuliert wird, dann bekommen das potentielle Investoren schon mit – und merken sich das auch.

Was sagen Sie zur Forderung des Bundes, Kärnten soll eine Strafe von 500 Millionen Euro für den Hypo-Skandal zahlen?
Ich halte das für einen folgenschweren Tabubruch. Auch in anderen Bundesländern ist viel schiefgegangen, und dass die Katastrophe in Kärnten ein solches Ausmaß annehmen konnte, ist nicht zuletzt auch auf das Versagen von Bundesstellen wie der Finanzmarktaufsicht oder der Nationalbank zurückzuführen. Ich bin dafür, erst einmal die rechtliche und politische Verantwortung zu klären. Kärnten hat schon bei der Notverstaatlichung tätige Reue im Ausmaß von 200 Millionen Euro gezeigt, und die Auswirkungen des ganzen Skandals auf die bestehenden Kärntner Unternehmungen und die Attraktivität des Standorts sind desaströs genug. 

Tut das Land Kärnten genug, um diese Situation zu bewältigen?Mein Eindruck ist, dass die Landespolitik in den nunmehr eineinhalb Jahren, die nach der politischen Erneuerung Kärntens schon wieder vergangen sind, die notwendigen tiefgreifenden Reformen und wirtschaftspolitischen Schwerpunktsetzungen nicht wirklich angegangen ist. Viele handelnde Personen in der Politik machen auf mich nicht den Eindruck, als ob sie sich darüber im Klaren wären, wie schwierig die Situation Kärntens ist. Und wie knapp die Zeit, in der sich entscheiden wird, ob Kärnten sich modernisieren und als attraktiver Lebens-, Bildungs- und Wirtschaftsstandort positionieren kann – oder ob das Land wegen der politischen Versäumnisse der Vergangenheit weiter ins Hintertreffen gerät und an Bevölkerung, Talenten, Wirtschaftsleistung und Wohlstand verliert. Ich habe in meiner Jugend lange Handball gespielt, da würde man sagen, wir haben ein richtig schweres Match vor uns.

Wo sehen Sie den Ausweg?
Was für die USA und Europa die richtige Zukunftsstrategie ist, kann für Kärnten nicht falsch sein: Ich spreche von der Reindustrialisierung. Damit meine ich aber nicht die rauchenden Schlote, diese Zeiten sind lange vorbei und für die Tourismusdestination Kärnten ohnehin kein Thema. Ich spreche von einer Industrie 4.0, die nach Mechanisierung, Automatisierung und Digitalisierung das Tor zum Zeitalter der Individualisierung aufstößt. Da geht es um kleine, hochintelligente Einheiten, smart factories, die maßgeschneiderte Produkte in höchster Qualität anbieten. Eine solche starke Industrie wird in Zukunft jener dynamische Kern sein, um den herum sich die klein- und mittelständischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe ansiedeln und der viele hochspezialisierte Ein-Personen-Unternehmen beschäftigen kann. In dieser gesunden Vielfalt aller Unternehmensgrößen entstehen die Wertschöpfung und die Einkommen, die in der Folge einen lebendigen Dienstleistungssektor möglich machen. 

Wer eine Vision hat, soll zum Arzt gehen, sagte vor vielen Jahren der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt.
Andere Regionen arbeiten bereits hart an dieser Vision, für die deutsche Bundesregierung ist die Industrie 4.0 ein fixer Bestandteil ihrer High-Tech-Strategie. Aber wenn die Stimmung in Kärnten so bleibt, das muss man leider sagen, dann wird diese zukunftsträchtige Entwicklung auch eine Vision bleiben. Nehmen wir das umstrittene Hotelprojekt in Flattach als Beispiel: Ich spüre da eine zumindest wirtschaftsunfreundliche Stimmung in diesem Land, wo man offenbar aufgrund der in Kärnten traditionell überproportionalen öffentlichen Verwaltung der Meinung ist, dass man Jobs und Einkommen von der öffentlichen Hand oder vom AMS bekommt. Hier hat die Wirtschaftskammer schon in den vergangenen Jahren viel geleistet, diesen Weg müssen wir entschlossen weitergehen und den Menschen erklären, wer Arbeit und Wohlstand schafft im Land: Wir, die Unternehmer, und das nicht nur in Kärnten, sondern vor allem im Export, wo wir heute schon jeden zweiten Euro verdienen.

Liegt dort auch die Zukunft?
Wenn wir unseren Wohlstand halten und ausbauen wollen – und die Milliardenschulden, die eine verfehlte Politik angehäuft hat, auch wieder einmal zurückzahlen –, dann geht das nur durch eine verstärkte Fortsetzung der erfolgreichen Internationalisierung. Und das bedeutet für mich nicht nur, dass wir mehr Produkte und Dienstleistungen ins Ausland verkaufen, also dass wir noch mehr ins Ausland gehen – das bedeutet auch, dass das Ausland mehr zu uns kommt: Wir brauchen qualifizierte Fachkräfte, und weil es sie bei uns nicht gibt, werden wir sie von anderswo zu uns einladen müssen. Wir brauchen mehr Weltoffenheit und auch die richtigen Ausbildungsstätten für unsere Jugend, um die Kontakte zu knüpfen und die Beziehungen zu pflegen, die für das Geschäft in anderen Ländern unerlässlich sind – und da weiß ich wirklich, wovon ich rede.

Das klingt nach unternehmerischem Feuergeist – und dann kommt die Bürokratie mit dem zähen Löschschaum.
Ja, die Bürokratie nimmt uns immer mehr die Freude und erstickt unternehmerische Initiative immer stärker in einem undurchdringlichen Regelungsdschungel, der für viele Betriebe heute schon existenzbedrohend ist. Wer einmal schlecht schlafen will, schmökert ein bisschen im Schwarzbuch Bürokratie, das die Wirtschaftskammer vor einigen Monaten herausgebracht hat. Nehmen wir nur das Altlastensanierungsgesetz oder das Behindertengleichstellungsgesetz her: Beim einen ist es praktisch unmöglich, sich in allen Details auszukennen und keinen folgenschweren Fehler zu begehen; das andere stellt viele Betriebe vor baulich und finanziell oft unlösbare Aufgaben. In dieser Situation 550 zusätzliche Finanzkontrolleure zu beschäftigen, anstatt den eigenen Laden auszumisten, halte ich da für das völlig verkehrte Signal. 

Und was wollen Sie dagegen unternehmen?
Eine meiner Hauptaufgaben als künftiger Präsident der Wirtschaftskammer sehe ich darin, gemeinsam mit der Verwaltung und der Politik daran zu arbeiten, diesen Dschungel zu durchforsten und auf jenes Maß zurückzustutzen, das für einen hervorragend verwalteten Wirtschaftsstandort – ich nenne es: das Unternehmerparadies Kärnten – notwendig ist. Ich orte dafür auch eine gewisse Bereitschaft der Politiker – denn wenn sie unsere Betriebe in dieser schweren Zeit schon nicht finanziell unterstützen können, dann sollen sie uns mit ihren Beamten nicht auch noch im Weg herumstehen.

 

Was sind aus heutiger Sicht Ihre weiteren Schwerpunkte?
Ich werde ganz sicher meinen Beitrag leisten, damit Ein-Personen-Unternehmen noch stärker ihren Platz in der Wirtschaft einnehmen können. Dazu werde ich eine eigene EPU-Vertretung innerhalb der Wirtschaftskammer einrichten, damit dieser große und wachsende Mitgliederbereich besser in die Interessenvertretung integriert ist. Auch seitens der Politik hätte man sich statt um neue Steuereintreiber viel stärker um die Sorgen und Nöte der EPU und kleinen Unternehmen kümmern müssen, vor allem im Bereich der Sozialversicherung.

 

One comment

  1. Jürgen Mandl ist der richtige Mann für diesen Job. Er kommt aus der Wirtschaft, hat dort kein Risiko gescheut und ist auch vertraut mit den Problemstellungen kleiner Unternehmen. Ich wünsche Jürgen Mandl alles Gute für seine neue Aufgabe und bin zuversichtlich, dass er für Kärnten Positives bewirken wird.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.