Lüfterl vom Change

Vor einem Jahr waren Schrecken und Motivation groß. International wurde der Ruf nach der Energiewende aus Erde, Feuer (=Sonne), Wasser und Luft laut, Kärnten träumte schon von der Vorreiterrolle in Europa. Geschehen ist wenig. von PETER SCHÖNDORFER

Einen Masterplan zu alternativen Energieformen in Kärnten müsse es geben, damit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verlässlich abgesteckt seien: Das verlangten namhafte Kärntner Betriebe aus dem Umfeld der alternativen Energiegewinnung
schon vor einem Jahr. „Für Kärnten bietet sich die einmalige Gelegenheit, sich
international als Musterland für Energie aus Wasser, Sonne, Biomasse und Wind
zu positionieren“, prognostizierte WK-Präsident Franz Pacher, der zugleich ein
Umdenken forderte: „Grüne Energie ist weder kostenlos noch unsichtbar. Wer sich
von der Atomkraft befreien will, muss dafür die Nutzung alternativer Energien zulassen und aktiv unterstützen.“

Doch die Mühlen der Verwaltung mahlen auch in Kärnten recht gemächlich. LH Gerhard
Dörfler pflegt im Rahmen seines Projekts „Lebensland Kärnten“ einen recht teuren Pilotversuch zur Elektromobilität, der aus Mitteln der Arbeitnehmerförderung gesponsert werde, wie Pacher kritisiert. Immerhin in Begutachtung gegangen ist kürzlich eine Verordnung für Windkraftstandorte von Planungsreferent Uwe Scheuch. Dabei kommen Nationalparke, Natura 2000 Gebiete, Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete und Naturparke generell nicht als Standorträume in Frage, ausgenommen sollen auch Dauersiedlungen und Tourismusgebiete sein. Eine wesentliche Standortvoraussetzung ist die geringe „Fernwirksamkeit der Anlage“, sie darf also nicht weithin sichtbar sein, kein Wild verschrecken und keine Anrainer stören. Derzeit gibt es an fünf Standorten Anträge zur Nutzung von Windenergie durch Windkraftanlagen.

Einer davon ist der seit langem geplante Energiepark Petzen, in den die Firma
alpswind mit ihren Partnern 26 Millionen Euro investieren und damit rund 15.000
Haushalte mit sauberem Strom versorgen wollen. Projektentwickler Walter Prutej:
„Wir brauchen dafür kein Geld von der öffentlichen Hand, sondern nur klare Rahmenbedingungen. Jetzt können wir wenigstens das Verfahren angehen.“
Schützenhilfe bekommt Prutej von Kärntens bekanntestem Burgherrn, Karl
Khevenhüller-Metsch von der Burg Hochsterwitz, der in Spanien selbst an
Windkraftanlagen beteiligt ist: „Windkraft ist die vernünftigste Art, Strom zu
erzeugen, da sie die Umwelt nicht belastet.“

Eine einzige Windkraftanlage in Kärnten – sie ist gleichzeitig die höchstgelegene
Österreichs – produziert seit Jahren sauberen Strom: Am Plöckenpass, auf 1.360
Metern Seehöhe, steht wenige Meter vor der italienischen Grenze das Windrad der
Alpen Adria Energie (AAE), das gemeinsam mit 21 Kleinwasserkraftwerken, einem Pumpspeicherwerk, Sonnenenergie, Photovoltaik und Biomasse-Blockheizkraftwerken die Gemeinde Kötschach-Mauthen mit sauberer, regionaler Energie versorgt. Windradbesitzer Wilfried Klauss: „Ja zur Windenergie in Kärnten an den richtigen Stellen: auf Staumauern oder neben Liftanlagen mit Speicherseen.“ Immerhin würden zehn Windräder so viel Strom wie ein Draukraftwerk produzieren. Ganz so viel ist es
in Kötschach noch nicht, aber 70 Prozent der gesamten Heizenergie und 340
Prozent des Strombedarfs erzeugt die Region selbst – und ist stolz darauf, wie
eine irische TV-Dokumentation (im Internet unter http://bit.ly/vZmSJQ)
eindrucksvoll beweist.

Leider ist Kötschach aber der einzige Teil Kärntens, der sich das Prädikat „Modellregion
für erneuerbare Energie“ mit Fug und Recht auf die Fahnen heften darf. Franz
Pacher wartet ungeduldig auf den Wind of Change, der in Kärnten noch eher ein
Lüfterl ist: „Wir haben den Mix an erneuerbaren Energieträgern, wir haben die Unternehmen, die uns in die Lage versetzen können, die Energiewende herbeizuführen. Jetzt müssen wir endlich die Rahmenbedingungen schaffen, damit sich Kärnten als
Musterregion beweisen kann.“

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