Land am Strome, zukunftsreich

"In Kärnten kümmert sich niemand drum." Robert Kanduth, Greenonetec

Kärnten hat die einmalige Gelegenheit, sich international als Musterland für saubere Energie aus Wasser, Sonne, Biomasse und Wind zu positionieren. Lahme Bürokratie und mangelndes Bewusstsein der Bevölkerung drohen die Jahrhundertchance platzen zu lassen.

Grüne Energie ist weder kostenlos noch unsichtbar. An dieser knappen Feststellung des Wirtschaftskammerpräsidenten Franz Pacher könnte sich die wirtschaftliche Zukunft des Landes entscheiden.

Denn grundsätzlich sind alle Zutaten vorhanden, um Kärnten in eine ebenso publikumswirksame wie geschäftsträchtige europäische Alleinstellungsposition zu katapultieren: Die Aufmerksamkeit und Betroffenheit der Menschen ist durch die weltweit übertragenen Bilder rauchender und strahlender Atomkraftwerksruinen in Japan auf Jahre hinaus garantiert; und Kärnten bringt nicht nur die notwendigen Ressourcen in Form von Wasser, Sonne und Biomasse mit, sondern kann auch die zum Teil schon jetzt marktbeherrschenden Unternehmen mit jahrzehntelanger Erfahrung und einem großen Know-how in der Produktion von grüner Energie aus erneuerbaren Rohstoffen vorweisen. Pacher: „Hier tut sich für den Wirtschafts- und Lebensstandort Kärnten eine Jahrhundertchance auf, mit der hochmodernen Gewinnung von Strom und Wärme aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse eine europaweite Vorbildregion zu werden, in der Forschung, Entwicklung und Produktion von Energie in Verbindung mit sauberer E-Mobilität, bester Infrastruktur für Schiene, Straße und Internet sowie naturnahem Tourismus eine nachhaltige Verbindung eingehen.“ Immerhin gebe es schon heute in Kärnten etwa 15.000 „green jobs“, bald sollen es deutlich mehr werden. Wenn man nur die Rechnung nicht ohne die übrigen Gäste macht. Denn in Kärnten steht man dem Wandel eher skeptisch gegenüber – vor allem dann, wenn er am Ende noch dem bösen Nachbarn nützt. Energiepionier Wilfried Klauss kann davon ein Lied singen: Verfahren für Kleinwasserkraftwerke dauern wegen der meist zahlreichen Beteiligten und ihrer vielschichtigen Befindlichkeiten gerne fünf, öfter auch sieben Jahre. Sein Vorschlag: „Wenn die Behörde einmal positiv entschieden hat, sollte die Umsetzung im öffentlichen Interesse erfolgen, damit nicht jeder Einspruch des kleinsten Grundnachbarn das Projekt zu Fall bringen kann.“ Das gilt nicht nur für Kleinkraftwerke, sondern auch für die Trassen zusätzlicher Stromleitungen, die bei stärkerer Nutzung von dezentraler Energieerzeugung erforderlich sind. Und vielleicht fällt auch die eine oder andere Froschlacke, der Hundebadeplatz oder eines von tausenden Alpentälern dem Ausbau den grünen Energien zum Opfer. Pacher wird deutlich: „Wer sich von der Atomkraft befreien will, muss dafür die Nutzung alternativer Energien zulassen und aktiv unterstützen. Das gilt für den Grundstücksnachbarn genauso wie für die Naturschützer, den Alpenverein oder die Bürgermeister. Auch ihnen allen muss klar sein, dass Kleinkraftwerke und Alternativenergieprojekte Arbeit und Zukunftssicherung in die Regionen bringen.“ Von der Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung über die Genehmigungsverfahren bis hin zur Flächenwidmung sei es notwendig, Alternativenergieprojekten Priorität einzuräumen und ein günstiges Klima für derartige Maßnahmen zu schaffen, ist Pacher überzeugt: „Sonst werden wir einsam am Bahnhof stehen und dem Zug der Zeit hinterher winken.“ Wie schwer es die Zukunft haben kann, sich in der Gegenwart durchzusetzen, zeigt sich am Beispiel des geplanten Energieparks Petzen, in den die Firmen alpswind, AMSC Windtec und Kelag 26 Millionen Euro investieren und rund 15.000 Haushalte mit sauberem Strom versorgen wollen. Walter Prutej: „Wir brauchen dafür kein Geld von der öffentlichen Hand, sondern nur klare Rahmenbedingungen – aber die gibt es bis jetzt nicht.“ Für den Biomassespezialisten und Anlagenbauer Walter Kohlbach ist Kärnten „vielleicht sogar das führende Land in der Biomassenutzung schlechthin“ und müsse gezielt seine Stärken herausarbeiten: „Wir können die Energie, die wir insgesamt in Kärnten brauchen, auch in Kärnten herstellen – und sind damit keinen technischen oder politischen Unsicherheiten mehr ausgeliefert.“

Der Stoff, aus dem die Träume von einer Energiewende in Kärnten sind: Biomasse

Ein Ansatz, den auch Dieter Kainz von der Hasslacher Drauland Industries unterstützt – allerdings mit einer Einschränkung: „Es fehlt nicht an der Technik oder an der Abnahme, der limitierende Faktor ist die Biomasse – sie wird nicht nur energetisch, sondern auch stofflich genutzt, wir brauchen daher Maßnahmen, um das Aufkommen an Biomasse zu steigern.“ Denn Kärnten ist zwar – mit steigender Tendenz – zu mehr als 60 Prozent bewaldet, vor allem die kleineren privaten Waldbesitzer lassen das Holz aber meist ungenutzt im Wald liegen. Boomt die Energieerzeugung aus Biomasse, fürchtet die Säge- und Plattenindustrie steigende Rohstoffpreise. Bei der Solarthermie, also der Herstellung von Warmwasser aus Sonneneinstrahlung, steht die Industrie wie Weltmarktführer GREENoneTEC seit Jahren bei einem Wirkungsgrad von etwa 80 Prozent – aber die Montagekosten haben sich halbiert, die Kollektoren sind durch die Automatisierung um 30 bis 40 Prozent billiger geworden. Viel Potenzial steckt noch in der Fotovoltaik, der Herstellung von Strom aus Sonne, ist GREENoneTEC-Gründer Robert Kanduth überzeugt: „Der Wirkungsgrad liegt heute bei 17 Prozent und wird in den nächsten Jahren auf 22, 23 Prozent hinaufgehen, die Preise werden sich reduzieren. Ich glaube, dass wir in fünf Jahren mit 15 Cent den Strom aus der Sonne produzieren können – spätestens dann wird sich die Fotovoltaikanlage für den normalen Haushalt rechnen.“

 

 

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