(Non vitae, sed scholae discimus)

Das Bildungsvolksbegehren hat viel Staub aufgewirbelt . Er droht sich zu legen – wie schon so vieles, seit Maria Theresia unser heutiges Schulsystem erfunden hat .

Bildung ist der Schlüssel zu persönlicher Entwicklung, einem
erfolgreichen Arbeitsleben und einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft – diese Behauptung würde wohl jeder Politiker beifällig abnicken. Bei genauerer Betrachtung des österreichischen Schulsystems und der jüngsten Debatten um den Verlust seiner europäischen Wettbewerbsfähigkeit keimt allerdings der Eindruck, Schule diene hierzulande in erster Linie dem Fortkommen der in ihr Beschäftigten, dann als Streitobjekt der Bildungspolitiker – oft genug auf Lebzeit karenzierte Lehrer – und erst ganz zuletzt der Wissensvermittlung an Schüler
mit dem oben genannten Bildungsziel.

Schon in ihrem Grundaufbau ist Schule heute nicht mehr zeitgemäß: Dass
der Unterricht möglichst früh beginnt und im Wesentlichen nur den Vormittag
umfasst, während an den Nachmittagen und vor allem zwei Monate im Sommer der
Schulwart vereinsamt, stammt im Grunde aus jener versunkenen Epoche, als es für
Maria Theresia galt, bei der Einführung der allgemeinen Schulpflicht den
Widerstand der Bauern zu brechen. So konnten die Kinder wenigstens nachmittags und
im arbeitsreichen Sommer bei der Hof- und Feldarbeit helfen. Und den Bürgerfamilien war es auch recht, denn die Frau Mama  warohnehin zuhause und schupfte – weiter oben sogar mit Hilfe des Personals – den Haushalt, während Papa wichtige Aufgaben voll- und das Geld heimbrachte.

Tempi passati: Rund die Hälfte aller Schulkinder kommt heute aus Haushalten mit nur
einem Elternteil; wo es noch intakte Familien gibt, sind sehr oft auch die
Frauen berufstätig. Leistungswillige Eltern oder -teile, die nicht im Faulbett
der sozialen Hängematte liegen und nicht über die Gnade gesundheitlich aktiver
und in der Nähe wohnender Großeltern für das süße Enkerl verfügen, haben
zusätzlich zum Job alle Hände voll zu tun, um für schulfreie Nachmittage, schulautonome Tage und überlange Sommerferien entsprechende Betreuungsmöglichkeiten zu finden – und diese fürstlich zu bezahlen, zusätzlich zu dem in Österreich stetig anwachsenden Millionengeschäft mit der Nachhilfe.

Diese Realität verweigert die Bildungspolitik strikt. Das Endergebnis des
Bildungsvolksbegehrens mit rund 384.000 Unterschriften „zeigt, dass die
Mehrheit in Österreich weder die Gesamtschule noch die verpflichtende
Ganztagesschule will. Damit bestätigt sich die Position der ÖVP“, frohlockte
denn ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch. Und vergaß ganz, zu erwähnen, dass es
genau diese Ganztagesschulformen sind, die skandinavischen Schülern
fantastische PISA-Ergebnisse bescheren, während Österreich bestenfalls im hinteren
Mittelfeld zu finden ist.

Das kommt zum Teil daher, hat die OECD Österreich erst im vergangenen September
offiziell wissen lassen, dass die Ausgaben für Bildungseinrichtungen im
Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 5,4 Prozent unter dem OECDSchnitt
von 5,9 Prozent liegen würden. Darüber hinaus gehöre Österreich zu jenen
Ländern, in denen zwischen 1995 und 2008 der Anstieg der Bildungsausgaben klar
hinter dem Anstieg des BIP zurückgeblieben ist. Noch schlimmer: In Österreich sind
die Bildungsausgaben im Verhältnis zum BIP seit 1995 (6,2 Prozent) sogar stark
gesunken. „Die Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Verhältnis zum BIP
erlauben Rückschlüsse darüber, in welchem Ausmaß ein Land Bildung Priorität
einräumt“, heißt es in der Studie.

Am  höchsten sind demnach die Bildungsausgaben (öffentlich und privat) in Chile,
Dänemark, Island, Israel, Südkorea, Norwegen und den USA mit jeweils über
sieben Prozent des BIP. Ein Top-Platzierung hat Österreich lediglich bei den
Kosten pro Schüler bzw. Student: Da liegt Österreich liegt mit 11.852 Dollar an
vierter Stelle und deutlich über dem OECD-Schnitt von 8831 Dollar – bei
deutlich schlechteren Ergebnissen. Vergleicht man die Veränderungen der
Ausgaben und der Schüler- beziehungsweise Studentenzahlen, zeigt sich eine
interessante Entwicklung: Während die Schülerzahlen zwischen 2000 und 2008 um
drei Prozent zurückgegangen sind, wachsen die Bildungsausgaben im selben
Zeitraum um acht Prozent. Noch erstaunlicher ist die Entwicklung im
Hochschulbereich: Dort ist die Zahl der Studierenden in diesem Zeitraum um 15
Prozent angestiegen, während die Aufwendungen für den Tertiärbereich um 48
Prozent gewachsen sind. „Die Ausgaben pro Schüler haben sich damit um zwölf
Prozent erhöht, jene pro Student um 29 Prozent“, analysiert die „Wiener Zeitung“.

Dennoch hat das Bildungsvolksbegehren nur sechs Prozent der Wahlberechtigten hinter dem Ofen hervorgelockt – ein Umstand, der für den Philosophen Konrad Paul Liessmann
nicht nur dem Desinteresse der Bevölkerung, sondern auch dem Realitätsverlust der
Begehrer anzulasten ist. In einem Kommentar für den „Standard“ spricht der
gebürtige Villacher nur mehr von „Bildungspharisäern“: „Im Gegensatz zu den
nebulösen Formulierungen des Volksbegehrens kann und muss nämlich sehr wohl
zwischen dem Erwerb basaler Kulturtechniken, der Aneignung und
Auseinandersetzung mit den zentralen Wissensbeständen unserer Kultur, der
Schulung von Artikulations-, Kommunikations- und Denkfähigkeiten, der
berufsorientierten Qualifizierung und dem Eindringen in die Verfahren und
Methoden der neuzeitlichen Wissenschaften unterschieden werden. Das Gerede von
einer generellen ‚Kompetenzorientierung‘ hilft hier nicht weiter. Das
Spannungsfeld zwischen ökonomisch und gesellschaftlich notwendigen beruflichen
Ausbildungen und dem Anspruch einer Bildung, die sich nicht als Mittel für die
Wirtschaft oder die Politik, sondern als Ziel und Selbstzweck versteht, wurde
deshalb auch geflissentlich übersehen.“

Für Liessmann ist Bildung ohnehin ein Mittelstandsphänomen: „Nur die durch die
Globalisierung bedrohte Mittelschicht glaubt noch an ihre Chancen durch Bildung
und an einen sozialen Aufstieg durch das Sammeln von ECTS-Punkten, Modulen und
Zertifikaten.“

Das Bildungsmodell der Wirtschaft

Lehre : Erfolgsmodell mit Zukunft
Die duale Lehrlingsausbildung trägt in einem sehr großen
Ausmaß dazu bei, dass Österreich über eine große Anzahl an hervorragenden und
praxisnah qualifizierten Fachkräften verfügt. Stabile Wirtschaftsdaten auf
hohem Niveau und niedrige Jugendarbeitslosigkeit im internationalen Vergleich kennzeichnen diesen Weg. Der Lehrabschluss ist nach wie vor die häufigste Basis für
Unternehmertum und leitende Positionen. 40 Prozent jedes Jahrgangs der
Pflichtschulabsolventen ergreifen einen Lehrberuf, 39 Prozent aller
Leitungspositionen in der Wirtschaft sind mit Lehrabsolventen besetzt.

Mittlere Reife für alle
Alle Talente und Potentiale sollen so gefördert werden,
dass am Ende der Schulpflicht jede Schülerin und jeder Schüler Gewissheit
darüber besitzt, wo ihre/seine individuellen Stärken liegen. Dieser Prozess,
der als Mittlere Reife bezeichnet wird, beinhaltet Berufsorientierung und
Berufsinformation ab der 7. Schulstufe sowie eine individuelle
Potentialanalyse. Er sichert Mindeststandards in den Grundkulturtechniken und
reicht hin bis zum positiven Abschluss der 9. Schulstufe.

Gleichwertigkeit der Dualen Berufs -bildung
Die Duale mittlere und höhere Berufsbildung (DMHB), die AHS-Oberstufe
und die BHS beginnen zeitgleich auf Ebene der 10. Schulstufe. Damit und mit dem
Angebot der Dualen Höheren Berufsbildung, die neben der Fachausbildung auch die
Berufsreifeprüfung beinhaltet, wird eine echte Gleichstellung der Dualen
Berufsbildung mit den höheren Schulen erreicht.

Durchlässigkeit
Egal für welchen Weg man sich entscheidet, Bildungssackgassen gehören der Vergangenheit an. So wie die Mittlere Reife den 15-jährigen grundlegende Standards in den Kernkompetenzen bescheinigt und die Tür zu allen weiteren Bildungsschienen öffnet, lässt auch die Duale Berufsbildung den Weg in den Tertiärbereich offen. Hier sollen neben Universitäten und Fachhochschulen Berufsakademien etabliert werden, die den Bedürfnissen der Unternehmen entsprechen und facheinschlägige Weiterqualifikationen im Bereich Berufsbildung anbieten. Damit wird die Duale Berufsbildung zum flexiblen Karrieremodell der Zukunft.

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